Sehr geehrte Frau Stegemann,

Frau Bundesministerin von der Leyen dankt Ihnen für Ihre Mail vom 17. Mai
2009 zu dem umstrittenen RTL-Format "Erwachsen auf Probe" und hat mich
gebeten, Ihnen zu antworten.

Angesichts der großen Menge an Eingaben, die das BMFSFJ erreichen, ist es
nicht mehr möglich, ausführlich zu den verschiedenen Äußerungen Stellung zu
nehmen. Bitte haben Sie hierfür Verständnis.

Teenagerschwangerschaften sind ein ernstzunehmendes Thema und in anderen
Ländern, zum Beispiel in Großbritannien, ein Problem, das dort immer wieder
die Schlagzeilen bestimmt. Im Gegensatz dazu ist in Deutschland die Zahl der
Teennagerschwangerschaften, auch im europäischen Vergleich, niedrig und
darüber hinaus seit Jahren weiter rückläufig. Die jahrelange
Aufklärungsarbeit in den Schulen zahlt sich aus. Vor diesem Hintergrund ist
die Behauptung des Fernsehsenders RTL, ein angeblicher Anstieg der
Teenagerschwangerschaften in Deutschland habe den Anlass zur Sendung
gegeben, absurd und nicht nachvollziehbar.
 
Auch die Botschaft der Sendung, die nicht nur Minderjährigen, sondern allen
Zuschauern suggeriert, der Alltag mit Kindern bereite in erster Linie Stress
und schüre Konflikte, vermag die gesamte Bandbreite eines Familienlebens
nicht annähernd darzustellen , ist gefährlich und steht außerhalb der
Realität.  

Einer besonderen Bewertung bedarf dabei die Einbeziehung von Säuglingen und
Kleinkindern. Sie befinden sich noch in der Hochphase ihrer
Bindungsentwicklung. und brauchen stabile und verlässliche Beziehungen und
keine Experimente. Vor diesem Hintergrund ist das Format von RTL nicht nur
höchst problematisch sondern inakzeptabel, denn die Eltern sind für ihre
Kinder nicht erreichbar, auch wenn sie sich tatsächlich in der Nähe befinden
oder über Kameras das Geschehen verfolgen können.

Auch eine psychologische Begleitung oder Betreuung erscheint in unseren
Augen grundsätzlich nicht ausreichend, um die Tatsache zu kompensieren, dass
die Kinder aus dramaturgischen Gründen Personen anvertraut werden, die mit
ihrer angemessenen Betreuung ja gerade überfordert sind und auch sein
sollen. Die besondere Qualität der Betreuungspersonen ist aber die
Voraussetzung für frühkindliche Betreuung und Förderung.

Wir werden daher alle Möglichkeiten des geltenden Rechts, die Produktion und
die Ausstrahlung solcher Sendungen zu unterbinden genauso wie ggf.
notwendigen rechtlichen Anpassungsbedarf, prüfen. Dabei richtet sich unser
Appell zunächst an die Eltern als die primär für die Erziehung
verantwortlichen Personen, Kinder und vor allem Säuglinge nicht ohne Not
Risiken und Gefahren für ihre weitere Entwicklung auszusetzen. Im Einzelfall
werden Jugendämter auch zu prüfen haben, ob und inwieweit, Angebote von
Hilfen oder weitergehende Maßnahmen zum Schutz von Kindern geboten sind.

Im Visier haben wir aber insbesondere die Medienanstalten. So werden wir
zusammen mit dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung prüfen,
inwieweit bei dem „Einsatz“ von Säuglingen und Kleinkindern in
Fernsehsendungen die Schutzvorschriften des Jugendarbeitsschutzgesetzes
greifen. Dabei wird es auch um Massnahmen gehen, wie bestehende Schutzlücken
durch ergänzende Regelungen geschlossen werden können.

Auf die Programmgestaltung selbst kann der Bund allerdings auf Grund der
verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung keinen Einfluss nehmen, da der
Bereich des Rundfunkwesens in die Zuständigkeit der Länder fällt. Der
Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder, der eine einheitliche
Rechtsgrundlage für den Jugendschutz im Fernsehen vorsieht, ist am 1. April
2003 in Kraft getreten. Die Landesmedienanstalten in den Ländern und die
Kommission für den Jugendmedienschutz (KJM) überwachen die Einhaltung des
Jugendmedienschutz-Staatsvertrages durch die Privaten Fernsehveranstalter.
Ich empfehle Ihnen deshalb, sich an die KJM zu wenden - Internet:
http://www.kjm-online.de, E-Mail: stabsstelle@kjm-online.de.

Neben den Eltern, den Medienanstalten und dem Staat steht aber auch die
Gesellschaft in der Verantwortung. Jeder Einzelne in unserer Gesellschaft
kann etwa durch den Boykott solcher Sendungen helfen, dass Rechte von
Kindern nicht zu Gunsten anderer Interessen vernachlässigt und verletzt
werden.



Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Service-Team

__________________________

Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend


Telefon: 01801 90 70 50
Telefax: 01888 555 4400
Internet: http://www.bmfsfj.de
E-Mail: info@bmfsfjservice.bund.de

Diesem Vorschlag kommen wir gerne nach und so gibt es einen weiteren Mitmachbrief ( DANKE ULI!!) an die Kommission für Jugendmedienschutz.

 

Wir sind eine Foren-Gruppe der Bürgerinitiative

DER AUFSTAND ( gemeinsam friedlich aufstehen ) bei WKW,

die sich aus Müttern, Vätern und
Betreuungspersonen
verschiedener Art zusammensetzt.

 

Über uns können sie sich auch informieren unter

 

www.der-aufstand.com

In dieser Gruppe äußern wir unsere Gedanken
zur Sendung, welche eher Bedenken sind.

Wie oft hören bzw. lesen wir den Satz:
„Kinder bedürfen unserem Schutz,
unserer Fürsorge…“

Berechtigterweise wird für die Betreuung der
Kinder Qualität und Qualifikation gefordert.
Diese können wir in einer solchen Sendung
nicht finden. Auch Kinderrechte werden hier
für unsere Begriffe nicht ernst genommen.
Kinder sollen das Recht haben, zu
entscheiden, ob sie sich z.B. für Filme und
ganz besonders für solche Experimente
begeistern und teilnehmen möchten. Säuglinge
und Kleinkinder haben noch nicht einmal die
Möglichkeit, für sich zu sprechen. Hier ist
das Gewissen der Eltern gefragt, an dem wir
als Gruppe zweifeln.

Gerade im Säuglings- und Kleinkindalter sind
die tiefe Bindung und das damit verbundene
Vertrauen immens wichtig. Dazu gehört, dass
bei der Übergabe der Betreuung eine
allmähliche und auch begleitende Gewöhnung
an
die neue/n Betreuungsperson/en vonstatten
geht, um dem Kind die Möglichkeit zu bieten,
auch hier Vertrauen zu entwickeln und
entgegenzubringen

In der Sendung „Erwachsene auf
Probe“ können wir diese wichtigen
Schritte nicht feststellen. Laut RTL wären
Eltern/-Teile und Fachpersonal
immer in greifbarer Nähe gewesen. Nur
inwieweit sie die fachliche Qualifikation
dafür haben zweifeln wir stark an.
Aber dann wären wir als Mütter
und Väter auch "Fachkräfte", denn
wir leben und/ oder arbeiten tagtäglich mit
unseren Kindern, mit all den
Höhen und Tiefen die der Alltag so mit sich
bringt.
Die Jugendlichen werden mit ihrer
Unerfahrenheit öffentlich zur Schau gestellt
und damit in eine negative Ecke gedrängt.

Sie sollen Stück für Stück lernen,
Verantwortung zu tragen und mit ihren
Aufgaben zu wachsen, wie jede Familie auch.
Für Experimente, die
Verantwortungsbereitschaft
zu testen, Dummys, die die Bedürfnisse
der Säuglinge darstellen völlig ausreichend.
Auch Vorbereitungskurse, die es
jungen Menschen oder überhaupt
Interessierten
ermöglicht, sind hilfreicher als die
öffentliche Zurschaustellung von
Unerfahrenheit und damit verbundene
Überforderung. In genug Kindereinrichtungen
und Projekten gibt es die Möglichkeiten,
sich
unterstützend in Begleitung und Anleitung
von
Fachpersonal einzubringen.

Wir appellieren an Ihr Interesse, die
Kinderrechte und das damit verbundene
Kindeswohl
auch durchzusetzen und dieses nicht nur als
geschriebenes Gesetz zu betrachten.

Mit freundlichen Grüßen

 

 

 

 

 

 

 

´Hier die E-Mail Adresse

 

 

stabsstelle@kjm-online.de 

 

 

 

Der Text kann natürlich individuell abgeändert werden :-)
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